Deutsch

Erfahrene Übersetzerin, Promotion mit einer Arbeit zu Harry Martinsons dichterischen Wortbildungen als Übersetzungsproblematik.

Am Computer ... 

Die Vorfreude auf das Niederschreiben der allerersten Wörter einer neuen Über-setzung ist jedes Mal groß. Im Vorfeld recherchiere ich für den Auftrag so viel Referenzinformation wie möglich. Ferner besitze ich als Sprachwissenschaftlerin und Übersetzerin eine umfassende Referenzbibliothek mit Wörterbüchern, Fachbüchern, Monografien usw. Selbstverständlich nutze ich auch die zahlreichen Suchmöglichkeiten des Internets und frage erfahrene Kollegen, Bekannte und Freunde in beiden Ländern. Die letzteren sind nicht selten die besten und effek-tivsten Hilfsquellen. Darüber hinaus habe ich immer Kontakt mit dem Autor oder der Autorin, sofern er oder sie noch lebt.

 

Kurze Biografie   

Ich bin in Deutschland aufgewachsen, aber in Schweden geboren, da meine Eltern von 1949 bis 1956 hier lebten. Sowohl meine große Schwester als auch ich kamen
in Trosa auf die Welt, bevor die kleine Familie nach Deutschland zurückkehrte. Die schwedische Sprache war stets gegenwärtig in unserer Familie, ein selbstverständ-licher Teil unserer Kindheit. Oft wurde sie von den Eltern verwendet, wenn wir Kinder etwas nicht verstehen sollten. Dennoch lernten wir u.a. Kinderreime und -lieder. In meinen Ohren klang die schwedische Sprache eher wie Gesang, und sie machte mich immer neugieriger. Fünfzehn Jahre alt, kehrte ich 1971 allein nach Schweden zurück – um "die Sprache meines Landes" zu lernen, wie ich es damals ausdrückte. Ich bin geblieben.

 

Dieser Hintergrund hat mir einen Einblick in und Wissen über beide Kulturen gegeben, von dem ich in meinem Berufsleben als Lehrerin, Dolmetscherin und Übersetzerin stets großen Nutzen gehabt habe. Die unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksformen von Ländern spiegeln sich oft auch auf der sprachlichen Ebene wider, was bedeutet, dass gute Sprach- und Kulturkenntnisse sowohl das Verständ-nis als auch die Toleranz für Phänomene und/oder Verhaltensweisen fördern, die sich vom eigenen Bezugsrahmen unterscheiden – und damit auch die Kompetenz, sie in idiomatische und äquivalente Ausdrücke in die Zielsprache zu übertragen.

 

Ich habe Germanistik, Schwedische und Nordische Sprachen sowie Literaturwissen-schaft studiert und 2009 in Germanistik promoviert, mit Fokus auf Übersetzung.
In meiner Abhandlung Tageslichtfreude und Buchstabenangst werden nahezu eintausend Wortbildungen analysiert, die Harry Martinson ad-hoc gebildet hat,
als er die beiden Romane Nesslorna blomma und Vägen till Klockrike  schrieb. Deren Übersetzungen ins Deutsche in Die Nesseln blühen und Der Weg nach Glockenreich, werden auf die Gleichwertigkeit in Bezug auf Form, Inhalt und Funktion unter-sucht. Den letzteren Roman hatte ich 1996 zum ersten Mal gelesen, und er war es, der meine Neugier auf das Übersetzen weckte, sowie dann auch den Wunsch, diesen Beruf selbst auszuüben.

 

1997 gründete ich mein Übersetzungsbüro TransGemalit, dem 2012 der Verlag
Liebel Litteraturförlag entsprang. Hier war ich sowohl Redakteurin als auch Verlegerin und veröffentlichte zusammen mit meinem Mann Ole Lund Liebel deutschsprachige Literatur auf Schwedisch, zum größten Teil von mir selbst übersetzt. Im Januar 2021 wurde der Verlag wieder geschlossen und von einem neuen Übersetzungsbüro abgelöst. Dorothea Liebel Översättning.